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Mit dem Befehl vom 29.11.1810 wurde Torgau durch den sächsischen König Friedrich August I. (*1750; †1827) und auf Drängen von Napoleon (*1769; †1821), der eine starke Befestigung an der mittleren Elbe forderte, zur Festung erklärt und in den Folgejahren hastig ausgebaut. Torgau stellte sich im Vergleich mit Wittenberg als der bessere Standort heraus obwohl die leicht erhöhte Lage des Stadtkerns als ungünstig betrachtet wurde und ein Festungsbau auf der gegenüberliegenden Elbseite in Erwägung gezogen wurde.
Planungen erfolgten durch Ingenieurcapitain Ernst Ludwig (von) Aster (*1778; †1855). Die Grundsteinlegung erfolgte am 22. Juli 1811 durch den sächsischen König. Zeitweise über 4.000 Soldaten und 1.500 Zivilarbeiter sorgten für einen rasanten Baufortschritt, so dass im Dezember 1811 der Rohbau des Zentralwerkes mit 8 Bastionen fertig war. Dem Bau der neben Königstein wichtigsten sächsischen Landesfestung mussten 160 Häuser der Vorstädte, das königliche Waisenhaus mit Waisenhauskirche, die Heiliggeistkirche, das Spital und weite Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung weichen. Zwanzig weitere Gebäude gingen in den Besitz der Festung über und wurden später zum Teil auch abgerissen. Die Bauleitung übernahm ab Januar 1811 Oberst Johann August Le Coq (*1748; †1828). Beim Bau der Festung Torgau wurden Baumaterialien von der sich im Rückbau befindlichen Festung Dresden wiederverwendet.
Der sächsische Kommandant Johann Adolf Freiherr von Thielmann (auch Thielemann) (*1765; †1824) übergab am 10. Mai 1813 die Festung den Franzosen. Napoleon, der nicht nur auf den Entscheid für den Standort, sondern auch auf die Gestaltung der Festung eingewirkt hatte, überzeugte sich selbst am 10. Juli 1813 von deren Beschaffenheit.
Erste preußische und russische Truppen erschienen am 3. Oktober (also noch vor der entscheidenden Schlacht bei Leipzig) vor der Stadt.
Nachdem am 16.-19. Oktober 1813 Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig eine vernichtende Niederlage hinnehmen musste, führte Napoleons zurückweichende Kriegstross mit dem Verpflegungstruppe, dem Medizinwesen und dem Feldpostamt sowie der Kriegskasse nach Torgau. Die Festung war dieser Anzahl von Pferden und Wagen nicht gewachsen und es musste zum Teil vor der Stadt Lager bezogen werden.
Am 2. November 1813 wurde Torgau durch preußische Truppen eingeschlossen. Die nachfolgende Belagerung der durch französische Soldaten unter Gouverneur Divisonsgeneral Graf von Narbonne (*1755; †1813) hoffnungslos überbelegten Festung (darunter ca. 11.000 Lazarettinsassen) brachte bis zur Übergabe der Festung am 10. Januar 1814 vieltausendfach Tod über Soldaten und die Stadtbevölkerung. Weniger die Feindeinwirkung als die Folge der sich ausbreitenden Typhus-Epidemie und der Hunger und wohl auch die Tatsache, dass Torgau zu dieser Zeit noch keine geregelte Entwässerung besaß und die Trinkwasserzuleitung über das Röhrsystem aus Süptitz durch eine Patrouille unter Generalleutnant Fabian Gottieb von Osten-Sacken (*1752; †1837) noch vor der förmlichen Belagerung unterbrochen wurde, führte zu der katastrophalen Not.
Nicht ohne Grund wurden nach der Übergabe der Festung lediglich die Außenwerke durch die Siegermacht besetzt und die Festung erst im März 1814 für gesund erklärt.
Der Torgauer Theologe und Chronist J.C.A. Bürger (*1794; †1868) beschreibt bildreich die grauenvollen Zustände während der Belagerung. Er schätzt die Gesamtzahl der Kriegsopfer durch die Belagerung auf nicht weniger als 30.000. (Die Anzahl der Opfer variiert je nach Quelle z.T.beträchtlich!)
Von den ca. 5.000 Einwohnern der Stadt verloren 980 während der Belagerung ihr Leben, jedoch nur 2 durch feindlichen Beschuss. Etwa 7.500 Bomben und Granaten fielen auf die Stadt und ließen 17 Häuser abbrennen und führten zur Beschädigung von 200 Gebäuden. Der Schaden belief sich auf geschätzte 215.556 Thaler.
Als Ergebnis der Verhandlungen im Wiener Kongress 1814/15 kam der nördliche Teil Sachsens zu Preußen. Torgau wurde preußische Kreisstadt und erhielt eine besondere Bedeutung als Preußische Grenzfestung an der Elblinie.
In der Folge wurde Torgau durch Preußen als Festung stetig weiter ausgebaut und entsprechend den sich ändernden Anforderungen in neupreußischer Manier durch weitere Außenwerke ergänzt bzw. vorhandene weiter befestigt. So wurden allein bis 1835 eine Millionen Thaler für den Wiederaufbau und die Umbaumaßnahmen aufgewendet. Während die sächsischen Befestigungen überwiegend in Sandstein aufgeführt wurden erfolgte der Weiterbau unter preußischer Regie meist als Ziegelbau (und teilweise Zyklopenmauerwerk Granit/Porphyr). 1819 wurde eine Festungsziegelei vor den Toren der Festung in Richtung Repitz errichtet.
Die weitere Entwicklung der Waffentechnik führte dazu dass die alten Defensivfestungen ihren militärischen Sinn immer mehr verloren. So wurde mit der Verfügung vom 23. Juni 1889 der Festungsstatus für Torgau aufgehoben und es wurde der Weg für die freie Entwicklung der Stadt eröffnet. Das Festungsgelände ging mit Vertrag vom 1. Januar 1893 zum größten Teil in den Besitz der Stadt über.
Ein von Carl Otto Lohausen (*1838; †1921) aus Halle angedachte und vom Regierungsbaurat Ewald Genzmer (*1856; †1932) weitergeführter Entwässerungs- und Bebauungsplan wurde durch den Stadtbaurat Hermann Josef Stübben (*1845; †1936) aus Köln geprüft, so dass nach erfolgter Planung 1893-96 mit den Arbeiten begonnen werden konnte.
Mit dem Abbruch der Festungsbauwerke wurde bereits 1893 begonnen und später die Wälle und Gräben eingeebnet. Eine umfangreiche kommunale und private Bautätigkeit begann. Eine zentrale Stadtentwässerung wurde angelegt und die bereits seit 1569 vorhandene und 1878 veränderte/erweiterte Wasserversorgung den neuen Anforderungen angepasst. Der Bau eines Villengürtels als Übergang zum Glacis (dann als Stadtpark unter Mitwirkung des Landschaftsgärtners Staeglich gestaltet) und eine gemischte Wohnbebauung von der Ringstraße zur Stadt konnten um 1900 beginnen. In den Jahren bis ca. 1913 entstand hier eine Vielzahl von Wohngebäuden in verschiedenen Stilrichtungen, jedoch fast vollständig auch durch Jugendstilelemente verschiedener Ausprägungen beeinflusst.
Trotz der Aufgabe der Festung blieb Torgau jedoch noch viele Jahrzehnte ein bedeutender Garnisonsstandort, so dass in der Folge eine heute noch vielerorts das Stadtbild bestimmende großzügige Bebauung von ursprünglich militärischer Bedeutung entstand. Selbst nach dem 2. Weltkrieg wurden ehemalige Militärbauten durch die sowjetische Armee weiter benutzt und durch die NVA ein Reservedepot an der Bahnstrecke Leipzig/Cottbus neu angelegt. Beide Einrichtungen verloren erst mit der deutschen Wiedervereinigung ihre Bedeutung und werden jetzt verschiedenartig zivil genutzt.
Neben der Bedeutung Torgaus als ehemalige sächsische Residenzstadt (mit einer seit der Zeit der Renaissance fast unverändert erhaltenen Stadtstruktur) und mit Wittenberg wichtigste Stadt der Reformation hat Torgau eine herausragende Bedeutung als sächsische und preußische Festungs- und Garnisonsstadt.
Leider sind derzeit viele Bauwerke dem Verfall immer noch ungeschützt preisgegeben und es besteht von den verantwortlichen Stellen weitestgehende Konzeptlosigkeit.
Es ist dringend notwendig, dieses bedeutende Kapitel der Geschichte Torgaus auch als Teil der Geschichte Sachsens und Preußens im Bewusstsein zu halten und die vielen Zeugnisse der Architektur und Ingenieurtechnik zu erhalten und zu nutzen.
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