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Fortifikationsmauer an der Elbe

 

 

 


Norbert Lange
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© Norbert Lange


 

Vorbemerkungen

Der nachstehende Text wurde verfasst, da zu der Frage der Bewässerung der Festungsgräben und der diesbezüglichen Funktion des Unter- und Oberhafentores, der Elbe und des Schwarzen Grabens selbst durch weithin anerkannte Personen, die sich mit der Festungsgeschichte auseinandersetzen, falsche Aussagen getroffen werden.

Der Text wurde einschließlich ausagekräftiger zeitgenössischer Darstellungen der Torgauer Zeitung zur Veröffentlichung übersendet, blieb jedoch bisher kommentarlos unveröffentlicht.

Somit hoffe ich, über diesen Weg interessierte Bürger über den derzeitigen Kenntnisstand zu informieren. Das Thema der Wasserkunst bezüglich der Torgauer Festung in Verbindung mit dem Hochwasserschutz ist allerdings ein weites Thema und noch durch weitere vertiefende Forschungen zu beleuchten.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle z.B. die Verlegung des Schwarzen Grabens weg von der ehemaligen Einlaufstelle in die Elbe kurz von Repitz parallel zur Elbe bis zur Weinske, um erst kurz vor Dommitzsch sein Wasser in die Elbe zu entlassen. Diese aufwendige Aktion (Wohl im Ergebnis der Elbefluten 1845/1850/1862?) bewahrte Torgau seit dieser Zeit erfolgreich vor dramatischen Schäden durch Hochwasser. Bis zu diesem Zeitpunkt drückten das Elbwasser unweigerlich bei Hochwasser über die kurze Anbindung des Schwarzen Grabens in die Stadt.

Norbert Lange


Wie kam das Wasser in die Festungsgräben

Im Zuge des Festungsbaus ab 1811 wurden Wälle und Gräben zur Verschanzung bzw. als Hindernis für einen Sturmangriff als Hauptbestandteile der Festung angelegt. Die Dimensionen der Erdbauwerke waren beträchtlich und sind heute noch im Bereich des Brückenkopfes gut ablesbar. Am Hauptwerk - der Stadtumwallung - sind nur noch Reste des Walls zwischen Bastion II (Kulturbastion) und Bastion III (am Wasserturm) erhalten. Die Gräben sind fast vollständig zugeschüttet und lediglich im Bereich zwischen Bastion III und IV (Gärten hinter der Araltankstelle Straße der Jugend) und im Bereich der Gärten zwischen Bastion VII und VIII (nördlich parallel zur Schlachthofstraße) noch als leichte Vertiefung zu erahnen.

Der Wasserstand in den Gräben musste je nach Bedarf im Belagerungsfall reguliert werden können. Die Wallgräben waren für eine dauerhafte Wasserfüllung von 9 Fuß (2,82 m) an den Batardeaus (Staubauwerken) bei einer Pegelhöhe von 12 Fuß (3,77 m) vorgesehen (Bezug: ehemaliger Elbepegel). Neben den Gräben, die bei Befüllung einen Wasserspiegel einheitlicher Höhe bildeten, gab es die Möglichkeit, tief liegendes Vorgelände zu fluten. Dazu gab es vier (1889) große „Inundationsbecken“ außerhalb der Festung an das Glacis (abfallendes Gelände vor den Gräben) anschließend. Es ist eine Pegelhöhe von 4,40 m bezüglich des Elbepegels (alt) als Wasserstand angegeben. Es musste eine große Menge Wasser zur Verfügung stehen, das bei Bedarf und unabhängig von der Jahreszeit schnell die Flächen füllen konnte bzw. die Verdunstung und Versickerung auszugleichen hatte. Gleichfalls musste die Möglichkeit bestehen, das Wasser, z.B. bei drohender Vereisung, schnell wieder ablassen zu können bzw. die gefluteten Flächen wieder zu entwässern.

Torgau liegt nun an zwei Flüssen, die dazu in Frage kommen. Die östlich vorbeifließende Elbe und der westlich vorbeifließende Schwarze Graben.

Nach dem Bau der wesentlichen Teile der Festung floss das Wasser des Schwarzen Grabens noch kurz vor Repitz (die Stelle ist dort auch heute noch gut auszumachen) in die Elbe und wurde erst später, wohl unter den Eindruck des verheerenden Hochwassers 1845, parallel zur Elbe weiter geführt und mit der Weinske verbunden, so dass Torgau nicht mehr (selbst 2002 nicht) über den bei Hochwasser rückstauenden bzw.“ rückwärts fließenden“ Schwarzen Graben überflutet werden konnte. (Ein Festungsplan von 1885 zeigt die Umverlegung vollzogen)

Die Elbe

Zur Beurteilung der Brauchbarkeit eines der beiden Flüsse ist sowohl die Höhenlage als auch die lieferbare Wassermenge und dessen Verfügbarkeit über das Jahr (Sommer-Winter) zu betrachten. Insbesondere bei der Elbe sind einerseits der Effekt der natürlichen Eintiefung und andererseits die Auswirkung der Stromregulierungen zu berücksichtigen. Die Pegelhöhe bei Torgau wurde maßgeblich (und vor der Elbbrücke faktisch ausschließlich) durch die Höhe des anstehenden Felsgrundes bestimmt. Es soll an dieser Stelle nicht auf die Änderungen des Stromprofiles im Bereich der Brücke zur Herstellung der Festung eingegangen werden (ehemals durch Werder zweigeteilter Strom). Maßgeblich ist der Zustand der fertig gestellten und funktionsfähigen Festung.

Seit der Entfestigung wurden mehrere Vertiefungen des Elbprofiles im Bereich der Straßenbrücke durchgeführt, die auf die Beseitigung des dort anstehenden Felsgrundes zielten. Die erste Vertiefung erfolgte bereits kurz nach der Entfestigung in den Jahren 1896 bis 1901, nachdem sich eine Planung von 1890 als unbrauchbar erwies. Grundlage war ein Stromaufmaß aus dem Jahre 1877.

Er zeigt das Mittelwasser der Elbe bei 1,40 m Pegelhöhe, das entspricht einem Wasserstand an den Batardeaus, also an einen der wohl tiefsten Stellen der Gräben von 46 cm. Bei Niedrigwasser (Pegel 0,19 m) müsste man im Festungsgraben schon 75 cm tief graben, um noch auf Wasser zu stoßen. Das ist natürlich für einen nassen Graben einer Festung indiskutabel. Die Öffnungen in den Batardeaus (Grundablass und Überlauf) dienten lediglich der Regulierung (Ablass, Überlauf).Die Überläufe konnten auch geschlossen werden und ermöglichten dann auch den erforderlichen Hochwasserschutz zur Elbe hin. (…allerdings erst nach Verlegung des Schwarzen Grabens. )

Somit ist die immer wieder zu hörende oder zu lesende Aussage (z.B. im Heimatkalender 2011), dass der Graben „aus der Elbe über Batardeaus zur Regulierung des Wasserstandes bewässert werden kann“, nicht zutreffend und wohl durch keinerlei Sachkunde getrübte Interpretation der Bezeichnung „Einlaßschleuse“ im Plan von 1829 entstanden. Die Bezeichnung „Einlaßschleuse“ bezieht sich wohl eher auf die Möglichkeit, kleineren Booten im Bedarfsfall Einlass in einen geschützten Bereich der Festung gewähren zu können. Dazu hatte insbesondere das Oberhafentor (im Gegensatz zum Unterhafentor) eine auch noch bei Niedrigwasser befahrbare Wassertiefe aus Richtung Dresden und einen inneren Zugang. (siehe Stromaufmaß) Man muss dazu auch wissen, dass damals die Schifffahrt zwar mit viel kleineren Booten als heute stattfand aber trotzdem eine beträchtliche Bedeutung für den Ferntransport hatte (z.B. Holz und Sandstein aus dem Bereich der oberen Elbe).

Ein bautechnisch pikantes Detail ist an dieser Stelle noch erwähnenswert. Die Pläne des Ober- und Unterhafentores zeigen das gesamte Bauwerk auf einem sich auf 15 Fuß (4,71 m unter ±0,0) tief in den Boden eingerammten Holzpfählen abstützenden Holzrost erbaut (wie wohl auch große Teile der Elbmauer). Alle Holzteile wurden bautechnisch exakt unterhalb des Pegels 0,0 gelegt, welcher damals kurz unter der Höhe des tiefst möglichen Wasserstandes lag. (Tragende Holzteile im Boden sind nur dauerhaft, wenn sie ständig und ununterbrochen im Grundwasser stehen.)

Das heutige Mittelwasser m (2,19 m = 77,34 NHN; 1996-2005) liegt ca. 1,0 tiefer als der auf dem Plan von 1889 bezeichnete Mittelwasserstand (1,40 m - Pegel-alt - ca. 78,35 NHN), so dass bei heutigem Mittelwasser der Wasserspiegel nur noch lediglich 39 cm (77,34-76,95) über dem Holzrost (auf Pegel 0,0 - ca. 76,95 NHN) steht und bei Niedrigwasser (0,86 m = 76,01 NHN; 1996-2005) die hölzerne Tragkonstruktion ca. 94 cm (ca. 76,01-76,95) aus dem (Grund-)Wasser ragt und damit der Verrottung preisgegeben sein dürfte.

Der Schwarze Graben

Der Schwarze Graben, viel kleiner als die Elbe, bezieht sein Wasser aus dem unmittelbar südwestlich an Torgau angrenzenden Gebiet. Für eine schnelle Füllung innerhalb von wenigen Tagen reicht aber die Wasserführung ganzjährig nicht aus.

Im 15. Jahrhundert wurde südwestlich von Torgau der Große Teich von Herzog Albrecht für die Versorgung des sächsischen Hofes mit Fisch angelegt und bedeckt heute die beträchtliche Fläche von ca.175 ha. Dieser speist den Schwarzen Graben über seine Zuflüsse. Sein Einzugsgebiet beträgt 281,8 km² und er besitzt einen Jahreszufluss von 18 Mill m³/a; Mittelwasserabfluss: 0,44 m³/s.

Eine Füllung der Festungs-Inundation mit einem geschätzten Volumen von wohl nicht mehr als 500 000 m³ (genaue Ermittlungen/Recherchen zum Stauvolumen der Innundation stehen noch aus) könnte bei Mittelwasserabfluss dann in ca. 13 Tagen erfolgen. Bei Ablass des Großen Teiches um ca. 29 cm könnte dieses Volumen dann auch bei Niedrigwasser bereitgestellt werden bzw. die Füllzeit deutlich verringern. Bei drohender Belagerung wurde der Große Teich auf sein maximales Niveau angestaut. Der Speicherraum beträgt heute 2,7 Mill m³.

Zur Sicherung der Regulierfähigkeit des Zuflusses wurde am Ufer des großen Teiches am Regulierbauwerk (Teichablass) die Teichschanze – Erdbauwerk heute noch ersichtlich - und unweit davon die Kuhschanze (ist abgetragen) angelegt . An den Schleusenlünetten I bis III - zum Teil erhalten - konnten die Innundationen reguliert werden.

Die Höhenlage des Großen Teiches ermöglicht selbst bei Niedrigwasser noch einen genügenden Höhenunterschied zu den geplanten Pegeln der Festungswasserspiegel.

Schon die Betrachtung der verfügbaren historischen Pläne zeigt uns ein deutliches Bild über wassertechnischen Fähigkeiten und Funktionalitäten der Festung, die für eine effektive Verteidigung nötig waren. Die laufende Verifizierung der historischen Planunterlagen mit den heute noch erhaltenen baulichen Gegebenheiten der ingenieurtechnischen Bauwerke wird die Erkenntnisse noch weiter vertiefen.

Unser Respekt gilt jedoch schon heute den Ingenieuren, die mit den damals nur begrenzt verfügbaren technischen Möglichkeiten funktionierende Bauwerke dieser Größe und technischen Komplexität planen und errichten konnten.

Norbert Lange

 

Quellen:
Artikel von vom Königl. Baurat Blumberg vom Dezember 1901; Zentralblatt der Bauverwaltung 1903; S. 95-96; Verlag: Wilhelm Ernst Sohn; Berlin 1903
Torgauer Geschichtsverein e.V.; Torgauer Heimatkalender 2011; Verlagshaus „Heide-Druck“ ; S. 41
http://www.wikipedia.org
http://www.elwis.de
http://undine.bafg.de
http://www.umwelt.sachsen.de
 

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WasserfuerFestung_WEB.pdf

[Wasserkunst]